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Blockchain im Tourismus – Anwendungsmöglichkeiten und Kritikpunkte

03 Sep 2017
·
von Sabrina Blazek
Kette vor Burgmauer

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Das Thema Blockchain und dessen mögliche Anwendung im Tourismus provozierte am Castlecamp 2017, DEM touristischen Barcamp in Österreich auf der Burg Kaprun in Salzburg, eine der regsten Diskussionen des gesamten Wochenendes. Bei einem Barcamp gibt es, ähnlich einer Konferenz, Vorträge und Diskussionsrunden zu unterschiedlichen Themen – mit dem Unterschied, dass die Teilnehmer das Programm machen und jeder „Speaker“ oder Moderator sein kann, der etwas beizutragen hat. Die Inhalte werden zu Beginn des Barcamps bei der so genannten Sessionplanung festgelegt.

Die Emotionen zum Thema Blockchain gingen jedenfalls schon bei meinem Sessionvorschlag hoch. Die Bandbreite der Reaktionen reichte von verächtlichem Schnauben bis hin zu „Was ist Blockchain?“ – für mich die Bestätigung, dass durchaus Diskussionsbedarf zum Thema bestand.

Während das Interesse anfangs nur verhalten bekundet wurde, füllte sich entgegen der daraus resultierenden Erwartung der zugewiesene Raum in der Burg zum Sessionbeginn. Zunächst galt es natürlich, zu definieren, was Blockchain ist – und bereits dabei schieden sich die Geister.

Was ist Blockchain?

Die Blockchain ist eine Datenbank (oder auch digitale Datenbankarchitektur), die auf mehrere Rechner verteilt ist. Sie wurde 2008 für die Kryptowährung „Bitcoin“ entwickelt und sorgt durch dauerhafte Verkettung dafür, dass Transaktionen zwischen zwei Akteuren zuverlässig, transparent und sicher ablaufen – ganz ohne eine zwischengeschaltete Bank. Blockchain-Einträge können nachträglich weder gelöscht noch verändert werden. Die Blockchain könnte daher nur „gehackt“ werden, wenn jemand über 50% der Rechner unter seine Kontrolle brächte.

Es gibt zwei Arten von Blockchain – private und öffentliche („public“) Blockchains. Private Blockchains stellen, wie der Name schon sagt, geschlossene Systeme dar, während Public Blockchains frei verfügbare Anknüpfungspunkte darstellen. In unserem Fokus stand in der Diskussion und steht demnach auch in diesem Artikel die Public Blockchain, da diese keine weiteren Silos bildet und unseres Ermessens nach daher die sinnvollste Lösung für diverse Probleme im Tourismus ist, die wir im Verlauf der Session erörterten.

Blockchain – eine Lösung, die ein Problem sucht?

Denn während ein Teil der Diskussionsteilnehmer anfangs stark das Thema „Hotelbuchung über die Blockchain“ in den Fokus rückte, stellten wir fest, dass hier aus heutiger Sicht potenziell keine Abkehr von OTAs erfolgen, sondern lediglich eine weitere Plattform, die zu befüllen wäre, entstehen würde – wenn auch eventuell zu geringeren Provisionen. Daher lud ich die Anwesenden ein, weitere Anwendungsmöglichkeiten zu besprechen, die ich im Folgenden zusammenfasse.

"Welche Probleme löst die Blockchain im Tourismus? Anwendungsbeispiele und Kritikpunkte: http://bit.ly/2wyJCMK"

Anwendungsmöglichkeiten von Blockchain im Tourismus

Meine vorbereitende Recherche zum Thema Blockchain im Tourismus ergab, dass einige Unternehmen bereits über verschiedenste Anwendungsgebiete der neuen Technologie im Tourismus nachdenken. Allen voran ist hier TUI zu nennen, die ihre gesamten Hotelkontingente bereits in der Blockchain geladen haben und die Transparenz dazu nutzen, die Verfügbarkeiten konzernweit darzustellen. Doch auch kleinere Unternehmen können potenziell von der Blockchain profitieren, wie die nachfolgenden Beispiele zeigen.

Aktuell ist beispielsweise die Authentizität von Bewertungen ein heiß diskutiertes Thema. Bei Verwendung der Blockchain für die Bewertung touristischer Betriebe wäre für alle Akteure klar ersichtlich, ob der Urheber der Bewertung tatsächlich im bewerteten Betrieb gebucht und genächtigt hat.

Auch die Lieferkette ließe sich durch den Wegfall von Intermediären robuster und sicherer gestalten. Weniger Kontaktpunkte bedeuten weniger Risiko und zudem ein schnelleres Vorgehen. Auch die Rückverfolgung der Herkunft von Lebensmitteln, die für Endverbraucher heutzutage immer mehr an Relevanz gewinnt, wäre mittels Blockchain auf eine noch vertrauenswürdigere Basis gestellt.

Ein weiteres, in der Hotellerie altbekanntes Thema ist jenes des Kreditkartenbetrugs. Durch die Transparenz der Zahlungen in der Blockchain kann dem Betrug, so die Annahme, weitestgehend ein Ende gesetzt werden, da Zahlungen dort üblicherweise irreversibel sind.

Ebenfalls häufig in den Medien präsent ist derzeit die Schwierigkeit, insbesondere bei Konzernen, die Einhaltung von Reiserichtlinien zu überprüfen und durchzusetzen. Entlang der Blockchain wird offensichtlich, welcher Mitarbeiter wo zu welchen Konditionen gebucht hat – und ob er damit den Richtlinien des Unternehmens entspricht (zum Thema Datenschutz komme ich gleich noch unter dem Abschnitt "Kritikpunkte").

Ein weiterer, möglicher Bereich der Anwendung der Blockchain Technologie im Tourismus bezieht sich auf das Thema „Smart Contracts“. Da die in der Blockchain vorliegenden Daten nicht veränderlich sind, wird eine beidseitig (z.B. seitens Reiseveranstalter und Hotelkette oder seitens Corporate Kunde und Unterkunft) nicht veränderliche und transparente Vertragsgrundlage geschaffen.

Zusätzliche Potenziale der Blockchain liegen in der Einführung unternehmensübergreifender, touristischer Loyalitätsprogramme. Diese stellen insbesondere für kleinere Tourismusbetriebe wie beispielsweise Familienhotels eine interessante Möglichkeit dar, welche die Blockchain zum Zweck der Gewinnung von Stammgästen für sich einzusetzen.

Mittels automatisierter, zentralisierter Erstellung von Profilen können zudem für beide Seiten – den Anbieter und den Gast – leidige Probleme abgeschafft werden. Aus Sicht des Gastes ist es dank Blockchain in Zukunft nicht mehr notwendig, für jedes Buchungsportal ein neues Profil anzulegen, wodurch Zeit gespart und Fehlerquellen eliminiert werden. Umgekehrt erhalten touristische Unternehmen vollständige Profile und können so die Chance nutzen, noch individueller auf die Bedürfnisse ihrer Gäste einzugehen.

Im Rahmen der Diskussion am Castlecamp wurden noch weitere Möglichkeiten vorgeschlagen, wie beispielsweise das Thema Packaging sowie die Option, Blockchain für Schließsysteme einzusetzen. Die Optionen scheinen also mannigfaltig zu sein - der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt und in Zukunft wird wohl noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten der Anwendung von Blockchains im Tourismus entdeckt werden.

Kritik an der Anwendung von Blockchain im Tourismus

Das bereits kurz erwähnte Thema Datenschutz ist einer der Hauptkritikpunkte an der Blockchain. Um die Nachvollziehbarkeit von Transaktionen zu gewährleisten müssen diese für die breite Öffentlichkeit einsehbar sein – ein Fakt, der verständlicherweise vielfach auf Widerstand stößt.

Ein weiterer, von Castlecamp Teilnehmern genannter Kritikpunkt betrifft die geplante Überbuchung. Diese würde, so die Annahme, erschwert, sobald die gesamte Verfügbarkeit in der Blockchain aufscheint. Andererseits führten ungewollte Überbuchungen in jüngster Vergangenheit zu diversen Negativberichten insbesondere über mehrere Fluglinien - eine Fehlerquelle, die mittels Blockchain in Zukunft eliminiert werden könnte.

Der Dritte, kritische Punkt ist die Datenqualität. Wie bei allen Datenbanken gilt: Wer sie mit fehlerhaften Daten füttert, bekommt auch falsche Daten wieder heraus. Demnach ist dies keine Eigenheit der Blockchain – im Gegenteil besteht die Hoffnung, dass durch die vorherrschende Transparenz eine verbesserte Datenqualität das Ergebnis sein wird.

Ausblick – Zukünftiger Einsatz von Blockchain im Tourismus

Wie diese Zusammenfassung zeigt, sind die denkbaren Möglichkeiten der Anwendung von Blockchain im Tourismus vielfältig. Die ersten, touristischen Unternehmen arbeiten wie erwähnt bereits an der Entwicklung von Blockchains im Tourismus – so will beispielsweise Amadeus die neue Technologie zukünftig dafür einsetzen, Gepäck zielgenau und in Echtzeit rund um die Welt zu verfolgen.

Wir stehen hier noch ganz am Anfang – die Zukunft wird zeigen, welche der vielfältigen Optionen sich durchsetzen. Persönlich würde ich mir jedenfalls wünschen, dass der Tourismus nicht wie so oft „einfach mal zuwartet, was andere Branchen daraus machen“ sondern aktiv über potenzielle Einsatzmöglichkeiten zumindest nachdenkt – auch in kleineren Strukturen. Wir werden jedenfalls das Thema Blockchain und mögliche Anwendungen im Tourismus weiter im Auge behalten und über neue Entwicklungen berichten! Mit einer Newsletteranmeldung (siehe Fußzeile) bleiben Sie am Laufenden.

Quellen

https://blog.de.amadeus.com/2017/07/18/blockchain-zukunftsweisende-verkettungen
http://www.the-blockchain.com/2016/11/08/travel-industry-webjet-tests-blockchain-hotel-bookings
https://heft.manager-magazin.de/MM/2017/6/151328971/index.html
https://www.coindesk.com/blockchain-end-travel-industry-pain-points
http://www.tuigroup.com/de-de/medien/storys/themenspecials/digitalisierung-und-innovation/2017-08-14-wie-funktioniert-blockchain

Sabrina Blazek ist Ihre Ansprechpartnerin für digitales Marketing und Innovationen.

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